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Halverscheider als tätige Kirchmeister  

Infos aus Kirchenrechnungen

 
Wenn man Halverscheid als Ort, Halverscheid als Sippe oder als zur Familie gehörig durch alte Urkunden belegen will, ist der Zugriff auf Aufschreibungen mit Urkundencharakter der Kirche von Halver ein Muß und eine fast unerschöpfliche Fundgrube.

Die Bücher von Ewald Dresbach
            „Chronik und Urkundenbuch der Kirchengemeinde Halver“ und von J. Schellewald
            „Aus der Vorzeit Halvers“
sind Quellen geschichtlicher Zusammenhänge die ich bei meinen Aufschreibungen nutzte.

Waren mir bei meinen Forschungen schon die Kirchenbücher (Personenstandsregister) für die Kopulationen (Heiraten) vom Jahr 1649 bis 1653, 1659 – 1676 und von 1682 – 1717, die Taufen von 1646 – 1712  und die Beerdigungen von 1646 – 1711 eine unentbehrliche Hilfe, so geben die Aufzeichnungen der Kirchenrechnungen aus den Jahren von 1578 bis in unsere Zeit interessante Hinweise über die Tätigkeit der Kerkmester (Kirchmeister) und die „Sozialarbeit“ der Kirche, die zu diesem Zeitpunkt noch keine Staatskirche war. 

Ich werde nachfolgend versuchen, durch eine Verbindung von Informationen aus den Kirchenbüchern und den Kirchenrechnungen, Zusammenhänge zu einigen unserer Vorväter zu fixieren. 
Wichtig zu wissen ist, daß ein Kirchmeister für seine Aufgabe zur Verwaltung der Kollekte und für die Buchführung von geldlichen Zuwendungen für Arme, Kranke und anderweitig Hilfsbedürftige offensichtlich lesen, schreiben und rechnen können mußte. 
Verantwortlich war er während seiner Tätigkeit auch für das Einziehen von Renten und und fälligen Pachten für Kirchengüter, von denen teilweise der Pastor und der Schulmeister bezahlt werden mußte.
Bei nicht korrekter Entrichtung ihrer Aufgaben mußten die buchführenden Kirchmeister für ihre Fehler eintreten.
Die Zahl der amtierenden Kirchmeister betrug stets 4. Von denen alle 5 Jahre 2 ausschieden. (Es muß aber oft Ausnahmen von dieser Regel gegeben haben).
Jeder Kirchmeister war ein Jahr lang „buchführender Kirchmeister und Armen-Provisor“, d. h., er hatte die Kirchen- und Armenkasse zu führen und am Jahresabschluß dem Richter, den Geistlichen und Adligen seine Abrechnung vorzulegen. 

Rufen wir uns ins Gedächtnis zurück:

Am 31. Oktober 1517 schlägt Martin Luther die 95 Thesen an die Schloßkirche zu Wittenberg. In den Jahren von 1560 bis 1570 versucht der Pastor Johann Piepenstock zu Gunsten der Reformation zu wirken. 1583 nimmt er die Evangel.-Lutherische Religion an und von da an ist die Kirche zu Halver evangelisch. 
Die Geschichte der Reformation zeigt uns, daß der Schritt vom Katholizismus zur evangelischen Religion nicht einfach war und viel Mut und auch Opferbereitschaft abverlangte. 
Ein Class to Halvesche ist durch eine Urkunde vom 22. Februar 1573 erstmals als Kirchmeister erwähnt. 
Wie der erste Kirchmeister aus der Reihe unserer Vorfahren,  Herman tho Halversche, Kirchmeister (1598) und von 1603, 1604, 1605 und 1606 wurde und warum bleibt uns verschlossen. Über einen Zeitraum von über 120 Jahren stellte unsere Familie immer wieder Kirchmeister und bis in die Gegenwart, der Zeit entsprechend, sporadisch auch Prespyter.
Berechtigt das zu der Frage: waren die Halverscheider fromm? Zumindest waren sie aber gläubige Protestanten und folgten aktiv dem Ruf Hilfe zu leisten und für die Allgemeinheit Dienst zu tun. 
Mit Kopien und Teilfotos will ich die tätige Mitarbeit des Kirchmeisters aufzeigen, manchmal auch kommentieren.
Die fotographischen Auszüge sind dann gleichzeitig auch dokumentierte Sozialindikatoren über den Lebensstandard der Aera in qualitativer, nicht quantitativer Sicht.
Nachfolgend nenne ich die mir bei meinen Recherchen unter gekommenen Kirchmeister und ihren Stellenwert in unserer Ahnenreihe und / oder ihre Beziehung zu unserer Sippe.
Den ersten Halverscheider als Kirchmeister finden wir schon in der Frühzeit, 1573. Rund 20 Jahre nach der Einführung der Reformation in Halver, im Jahre (1598), 1603, 1604, 1605 und 1606 einen weiteren. 
Ewald Dresbach berichtet darüber ab Seite 72 im „Chronik und Urkundenbuch der Kirchengemeinde Halver, woraus ich nachfolgend übernehme.

Rechnung der Kerckmester
zu Haluer, Als mit nahmen

Theiß zu Gloerfelde
Herman tho Halueschede
und Peter thom Varste
Von Ao 603, 604, 605, 606 auff 5
Peter ad Cathedram
Hanß op den Stocken von Alders
schuldig vij Daler und
ij pundt waxes
noch vom Jahr 603 schuldig v Daler
und ein pundt waxes.
Item vom Jahr 604 schuldig v Daler
und i pundt waxes
Item vom Jahr 605 schuldig v Daler
und i pundt waxes


Item vom Jahr 606 schuldig
v Daler, und i pundt waxes

Hirauff betalt Hern Hilgern
v Daler
Item betalt die vij Daler von
Alders
noch betalt Frederiche Im Nienhuß
für Zerung.

Bliuet schuldig x Daler.
Daß Kerckenghut Wynckhusen Ao
603 ausgedaen worden vor
14 Daler. Diß Hinderich betalt.

Darnach Ao 604 dem Doctor
verdinget worden vor xx Daler und
noch schuldig

Ab Ao 605 noch schuldig 20 Daler
Ab Ao 606 noch schuldig 20 Daler

Hirop Herman tho Halueschede vom
Doct. vor gepedliche pension entfan-
gen 30 Dalers Ao 606 op Dag Petr.
Noch der Doct. Casparn tho Ockingh
geben von A 6 10 Daler als mit Ihme
verdinget
Kein Text verfügbar!

Aus befelch des Edlen und Ehrenuesten
Diecherich Quelackers zu Grineberg
und Wichelingk fürstl Cleuisch. Rhadt,
Drosten zu Altena und Iserlohn ist diese
Kirchen Rechnung de annis 1603, 604,
605 und 606 inclusive durch
den Ehrenuesten Hochgel. Dierichen
Hillebringk, der Rechte Doctoren,
fürstl. Marckich. gemeinen Anwaldt
und Gerhardt Holtzbringk, Richtern
zu Halber, von den Kirchmeistern
Tießen zu Glörfeldt, Herman zu
Haluerschede und Peteren zum Vorst

abgehörtt und nachgecalculiret, und
als an Hinderstandt bei den Pfechtern
der Kirchen zu gut 377 thlr 31 ½
alb befunden. Und der Empfangh
und Außgab (ohne 20 goltgl. Hauptst
und 22 ½ thlr. Pension, auffer
Magitheide, Imgleichen 200 thlr
auffen Berg, so nicht mit einge-
rechnet) gegen einander ohne 25 thlr.
verglichen.
Doch waß die Kirchmeistere dem
Pastori und anderen, noch schuldig,
und als bezalt, in Rechnung pracht,
darob d. 25 thlr bezalenn sollenn.
Ist dieselbe
dürch obgl. Herrn Anwaldt und Richt.
doch sub ratificatione wolgl. Herrn
Drosten, unterschriebenn. Und dabei gl.
Provisoren und Kirchmeisteren mitt

die Kirchen Rechnung verificirt
und abgehört wirdt, respondiren
sollen.
Beiwesens des Edlen, Ehrenuest.
Gerhardten von Edlenkirchen
zur Heiden,
Vincenti Pipenstocks Pastoris,
D. Hermanni Pipenstock vicarij
und Adami Dornseiffen. Actum
zu Niederen Carthaußen Sambst.
den 29ten Julij Anno 1606

Diecherich Hillebrinck d.
Gerhardt Holtzbringk


sub ratificatione = durch Genehmigung
Frone = Gerichtsvollzieher
Confusion = Verwirrung / Durcheinander
Hilgerio vicario mehr ex gratia, als debito =
Leiendecker = Schieferdecker / Dachdecker
Legata = Vermächtnis, Stiftung,
testamentarische Zuwendung
Rechnungen verificirt = beglaubigt
respondiren = veraltet
vicarij = Vikar, Hilfspfarrer
Actum = (vor dem Datum) geschehen, verhandelt

Kirchenrechnunge Item empfangk
und ausgabe Johan Bremekers
zu Ehringhausen, Johans aufm
Hövel, Peters zu Gloirfelde
und Johans Zu Laußberge (: welcher
doch kurtz nach seiner anordnunge
doetz verfahren :) ab Anno
1621 des Dages Johannis Babtistae
biß wedderumb ad diem Jois
Babtistae, geant Mitsommer, in-
clusive, Anni 1622.
Empfank der Kirchen
Item von Joachim im Dorfe III
Dler
Item von Hanß aufn Kulen III Dler
1 ort
Item von Petr zum Kotten 9 ½ Dlr

Item von Renolt in Jorgenßhaus
Item von Johan zum Loe

Item von Cord Collenberg

Item von Magdheider Gut
Item von Claß aufm
Item von Herman Zu Haluersche

Item von Peter Zu Loe-
mscheide
Item von Hanß Zu Haluersche 3 Dler

Item von Evert Zu Hedtfeld
Item von Herman auffm Broicke
1 24 ß
Item von Hans Zum Nienhauß
Item Zur Koenigs Bummert v Dler
min 8 all IIII Dler
usw.
usw.
1648

Hanß Zu Halverscheid droben
jährlichs 3 ½ Thlr 2 ½ Schill
1657

Hermans Erben Zu Halverscheidt
jährlichs 1 ½ Thlr 7 ½ Sch 3 Pf
1660

Hanß Droben Zu Halverscheidt
3 ½ Thlr. 2 ½

Hermans Erben Zu Halverscheide
1 ½ Thlr. 7 Schill

In der vorstehenden Kirchenrechnung, von der ich nur einen Teil wiedergegeben habe wird zweimal der Herman tho Halueschede erwähnt. 

   
Zeile 4 Herman tho Halueschede
Zeile 34/35/36 Hirop Herman tho Halueschede vom
Doctor vor gepedliche pension entfangen
30  Dalers Ao 606 opDag Petr.
            
         


Da er vor Einführung der Kirchenbücher lebte gibt es keine Daten über seinen
Lebenszeitraum. Mit sehr großer Wahrscheinlichkeit ist es der Vater von
Johann / Tönnesen Thevesen Halverscheid, auch Hans droben zu Halverscheid,
unserem Stammvater I, der später ebenfalls als Kirchmeister genannt wird.

Herman tho Halueschede lebte auf dem obersten Gut, auch Hermanns Gut
genannt; schon allein das ist ein Indiez ihn als weiteren Vorfahr in die
Ahnenreihe einzugliedern..
Seine Lebensdaten beruhen auf Vermutungen. Wenn er von 1603 bis 1608
Kirchmeister war, datiert sein Geburtsjahr etwa zwischen 1565/70, sein
Lebensende um 1625/30.

Auch in weiteren Aufzeichnungen der Kirchenbuchrechnungen aus den Jahren
1600, 1603, 1606, 1607 und 1608 ist von ihm die Rede.
In Kirchenrechnungen von 1621 und 1622 taucht seine Name ebenfalls noch
einmal auf.

1654 und 1667 werden mehrfach Hermanns Erben zu Halverscheid genannt.
Über sie gibt es keine Informationen in den Kirchenbüchern, weder Geburts-,
Heirats- oder Sterbedaten.
Es sind aber offensichtlich Kinder von ihm und damit Geschwister von
Stammvater I, der in gleichen Urkunden als Hanß droben zu Halverscheid erwähnt wird.

An anderer Stelle dokumentier ich diese Tatbestände durch Ablichtungen der
etsprechenden Rechnungsseiten.

Bei Dresbach befindet sich ein weiterer Hinweis auf eine Urkunde mit
Übersetzung in der Herman tho Haluerschede nochmals als Kirchmeister erwähnt
wird.
Die Rechnungsablage erfolgte vor dem Richter, den Geistlichen, Adeligen
und Vorstehern  -  eine wohl honorige Gesellschaft.
Der Richter Holtzbringk befahl den Kirchmeistern darin unter anderem, sich
künftig einer größeren Übersichtlichkeit und Genauigkeit zu befleißigen.

Diese Urkunde ist ein Revisionsvermerk der vorher in einem Auszug
dargestellten  Rechnungen von Ao 603, 604, 605 und 606 und wird nachfolgend
in Kopie dargestellt und durch Reinschrift lesbar gemacht.

Um die Reinschrift zu erhalten, fahren Sie mit der Maus über die entsprechende Textstelle.

Bild 1 Bildteil 1 Bildteil 2 Bildteil 3 Bild 2 Bildteil 1 Bildteil 2
Bild 4 Bildteil 1
Bild 5 Bildteil 1 Bildteil 2 Bildteil 3 Bildteil 3 Bild 6 Bildteil 1 Bildteil 2 Bildteil 3

Hans droben zu Halverscheid, Stammvater I, geb. etwa 1595 / 1600,
wird in weiteren Kirchenrechnungen der Jahre 1654 / 1655 und 1667 genannt,
ebenfalls auch noch einmal Hermans Erben zu Halverscheid.

Dresbach druckt ab Seite 80 die „Kirchen-Nachrichtungen“ von 1653 und
1654 ab.

1677 / 1680 / 1681 wird Johann zu Halverscheid, Stammvater II, und
1679/80 im Zusammenhang mit Gerten dem Jüngeren genannt.
    Der Text lautet: Noch meinem Bruder, dem Schulmeister, den
    auf Petri 1681 verfallenen Rthlr Schulrente, so für diesen unter
    andern in Halverscheid bey Johannen und Gertem dem Jüngeren
    gestenden, bezahlet     1 Rthlr

1689/90 und 1712 wird Gottschalck zu Halverscheid genannt.
Für eine Reparatur am Schloß des „Kirchen Kasten“ erhalt er einen Rthlr.
Der Gottschalck gehört zu den „unten zu Halverscheid“, von ihm gibt es keine
Daten. Nur von seinem Bruder Peter Hiuten zu Halverscheid, geb vor 1648, gest.
nach 1705.

1694  und ab 1697 bis 1709 taucht Hermann (Hans) zu Halverscheid, der
offensichtlich das Schürhaus bewohnte, und ein Bruder von Stammvater III ist,
im Zusammenhang mit Verköstigung des „blinden Wessel zu Halverscheid“ immer wieder in den Armenrechnungen auf.

1713 / 1714 / 1716  Kirchmeister Henrich daroben zu Halverscheid, geb. vor 1648,
gest. 1718, ein Sohn von Stammvater I und Bruder von Stammvater II.
Henrich war später der Besitzer des obersten Gutes, ohne männlichen Erben, seine
Tochter Anna Gertrud heiratete 1710 Teves Bredenbach, ebenfalls aus einer Familie
stammend, die bereits Kirchmeister und Armenprovisor gestellt hatten.

Nachfolgend ein Auszug aus dem Rechnungsbuch mit Datum vom 9. 9bris 1740,
der auch für die Ortsgeschichte von Halverscheid eine gewisse Aussagekraft hat.

„Der Armen-prov. Herm. Henr. Bredenbach wolle seinem Nachbahrn  Teves
Bredenbach (Halverscheider Bewohner) wegen der vor die Armen hiesiger Gemeine
auf Gutfinden des Kirchen-Raths von Wesel abgeholter drey Mltr
Roggens des Fuhrlohns halber Vergütigung schaffen und sich hierunter, wenn die
geforderte 8 Rthlr Speciel ausgezahlt, quittieren lassen.    Glaser P.

Da es mir in dieser Abhandlung unter anderem ja auch nur darum ging mit alten
Urkunden Familiengeschichte zu belegen, lasse ich es mit dem bisher
dokumentierten Aussagen bewenden.
Einige Kopien von Aufzeichnungen sollen das Bild der Geschichte nur optisch
abrunden.